Schlagwort: Spreewald

Hausschlachten

Hausschlachten im Spreewald 

geschrieben vom Insider & Ortschronisten Manfred Kliche (Raddusch)
Alte Traditionen

Das Hausschlachten hat in den Spreewaldörfern eine Jahrhunderte lange Tradition. Immer zwischen November des alten Jahres bis zum März des neuen Jahres wurde „hausgeschlachtet “. Hausschlachten war in den Bauernfamilien immer ein Höhepunkt und ein freudiges Ereignis.

Vorbereitung ist alles 

Bereits ganz in der Frühe wurde der Kessel mit Wasser zum Kochen gebracht. Das Wasser musste kochen, bevor der Schlachter den Hof betrat. Dann zeigte der Bauer dem Schlachter das Schwein , dass diesmal zur Schlachtung vorgesehen ist.

Das Töten des Schweines

Der Schlachter befestigt nun an einem Hinterbein einen kleinen Strick . Dann treibt er das Schwein hinaus und befestigt es an einem Hacken . Nun nimmt er sein Bolzenschussgerät ( früher wurde das Schwein mit einem Beil getötet) und tötet das Schwein. Ist das Schwein zu Boden gefallen wird es vom Schlachter abgestochen und einer der Helfer muss nun mit einer Schüssel das Blut auffangen .

Ohne Wasser geht nix

Das Blut wird dann in ein Tongefäss oder einen Eimer gegossen und mit einer Quirle geschlagen . Danach wird das Blut kühl abgestellt und gelagert. Nun wird das Schwein auf eine Leiter gelegt , die Leiter mit dem Schwein wird dann auf einen so genannten „Brühtrog“ gelegt. Nun wird das Schwein abgebrüht, das heißt es wird von den Borsten und Hufen befreit. Dazu wird recht viel heißes Wasser aus dem Kessel benötigt .

Eine Leiter hilft

Ist dies geschehen wird das Schein mit einem Kumt (Zuggeschirr) an der Leiter festgebunden . Die Leiter mit dem Schwein wird nun an eine Wand aufgerichtet . Nun wird das Schwein vom Schlachter aufgebrochen und die Innereien werden entnommen. Ist das Schein aufgebrochen und die Innereien sind entnommen , ist es an der Zeit erst einmal ein „ Korn „ zu trinken. Nun beginnt der Schlachter über dem Brühtrog die Därme ,den Magen und die Blase zu reinigen .



Würze ist wichtig

Danach beginnt der Schlachter das Schwein , was an der Leiter hängt zu zerlegen . Alle Fleischteile die zur Wurstverarbeitung benötigt werden , werden zerkleinert und dann in den Fleischkessel gegeben und gekocht. In den Fleischkessel werden dann verschiedene Gewürze gegeben , wie Zwiebel , Lorbeerblatt , Salz, Tymian und Gewürzkerne . Nun muss das Fleisch kochen bis es gar ist. Der Schlachter zerlegt nun in der Zwischenzeit das noch an der Leiter hängende Fleisch vom Schwein. ,

Chef bleibt Chef

Ist das Fleisch im Fleischkessel gar , dann wird mit der Wurstzubereitung begonnen. Gleichzeitig wird das Wellfleisch für das Mittagsmahl vom Schlachter in eine große Schüssel ausgewählt. Während sich der Bauer mit seinen Gästen und der Familie dem Wellfleischessen ( Wellfleischessen mit Sauerkraut und Salzkartoffel oder Brotscheiben ) widmet , arbeitet der Schlachter mit seinem Gehilfen weiter an der Wurstzubereitung.


Vielfalt ist groß

Zuerst wird die Leberwurst , dann die Fleisch- , Schneidewurst oder auch Sülzwurst hergestellt und in Därme abgefüllt . Die gefüllten Därme werden dann zum Kochen in den Kessel gegeben . Die Reste der Wurstsorten werden dann für die Bäuerin in einzelne Holzmulden oder andere Gefäße, wie Schüsseln getan. Die Bäuerin wird später diese Reste in Gläsern oder Büchsen tun und einwecken.

Spezialität Spreewald

Ganz zum Schluß wird die im Spreewald typische Grützwurst zu bereitet. Die Grützwürst besteht überwiegend aus den durch den Fleischwolf durchgedrehten Schwarten. In einer großen Rührwanne wird das durchgedrehte Fleisch , durchgedrehte Zwiebeln und die aufgebrühte Weizengrütze gegeben. Dazu werden Gewürze wie Salz, Piment , Majoran und schwarzer Pfeffer gegeben , zusätzlich wird beim Verrühren nun das geschlagene Blut hin zugegeben . Alles wird nun verrührt und dann in die Därme gefüllt. Die Därme werden dann zum Kochen in den Kessel gegeben. Zwischenzeitlich wurden bereits die Leber – Fleisch und anderen Würste aus dem Kessel genommen und auf Holzschiebern zum Abkühlen gelegt. Ganz zum Schluß werden nach dem Kochen die Grützwürste aus dem Kessel genommen und in Holzmulden zum Abkühlen gelegt .



Iss mir Wurscht

Zuerst wird die Leberwurst , dann die Fleisch- , Schneidewurst oder auch Sülzwurst hergestellt und in Därme abgefüllt . Die gefüllten Därme werden dann zum Kochen in den Kessel gegeben . Die Reste der Wurstsorten werden dann für die Bäuerin in einzelne Holzmulden oder andere Gefäße, wie Schüsseln getan. Die Bäuerin wird später diese Reste in Gläsern oder Büchsen tun und einwecken.

Bemerkenswert ist , dass der Schlachter meist auf die deftige Mahlzeit verzichtet und lieber Kuchen oder andere Leckereinen zu sich nimmt. Meist klinkt der Abend mit der Zunahme von Alkohol sehr lustig aus. Tage später wird die Räucherkammer für das Räuchern der Würste vorbereitet. Dazu werden die Würste an Stangen befestigt und dann in die Räucherkammer gehangen. 

Räucherware hält sich

Zum Räuchern wird vor allem Hartholzsägemehl genommen . Ist der Räuchervorgang nach einiger Zeit beendet , werden die fertig geräucherten Würste entnommen und entweder eingefroren oder in so genannten Speisekammern bis zum Verspeisen aufbewahrt. Bestimmte Knochen, Fleischstücke und der Schinken werden in Pökelgefäße ( bestehen aus Holz oder Ton ) gelegt und mit Salz und Lake angesetzt.

Schwein im Stall

Vorrat 

Auch sie werden dann später zum Räuchern in die Räucherkammer gegeben. Je nach Bedarf werden die Würste und der Schinken sowie die portionierten Fleischstücke übers ganze Jahr von der Bauersfamilie bis zum nächsten Hausschlachten verzehrt. Divese Reste in Gläsern oder Büchsen tun und einwecken.

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Spreewald im Winter

Saure Gurken Zeit ? Nee !

Foto @Yvonne Scherbatzki

Der Spreewald ist wie viele Regionen in der sogenannten Winterruhe. Die Natur erholt sich, der Mensch auch. Doch ist im Spreewald Winter wirklich nichts erlebenswert? Weit gefehlt, wie unser Blog euch zeigen wird.

Spreewald im Winter Heuschober und Futterkrippen
Foto @Mario Hauser

Spreewald im Winter – Ein kalter Tag beginnt…

Es ist 9 Uhr an einem noch grauen Novembertag. Die Spreewaldlandschaft hat sich in eine verzuckerte Landschaft verwandelt. Winterwonderland in einer Ruhe, die man gar nicht beschreiben kann. Das muss man erleben. Die Fliesse führen noch Wasser in flüssiger Form, denn ein Durchfrieren bedarf schon einiger kalter Nächte unterhalb der 10 Grad Minus. Dies passiert in den letzten Jahrzehnten aber nicht so oft. Trotzdem malerisch – genießen wir den Moment.

Erstmal stärken für den Tag

Da im Spreewald Winter nicht mehr alle Dienstleister von Speisen und Getränken geöffnet haben, muss man sich schon ein wenig umschauen oder eben belesen. Wir empfehlen die Poliwka Suppenbar, welche auch leckeres Frühstück in ihre Pension oder Ferienhaus liefert. Ein besonderes Highlight hier sind die Tagessuppen, wie der Name ja bereits verrät. Wenn ihr dann schon im Herzen des Kurortes Burg/Spreewald seid, könnt ihr den Tag hier gleich für Erkundungen nutzen.

Spreewald im Winter Brücke am Fliess
Foto @Mario Hauser

Spreewald im Winter – Aktiv *outdoor

 Packcraft
Foto @Hikanoe
 Standuppaddling
Foto @Martin Fix

Natürlich steht der Spreewald immer für Wassersport & Co.. Nicht alle wollen aber paddeln oder gar Standuppaddling machen. Für die, denen Kälte und Nässe auch im Winter nichts ausmacht empfehlen wir eine Hikanoe Tour durch das verzweigte Spreewaldland. Vorteil ist, dass sich diese „Rucksackboote“ in Windeseile verstauen lassen und man sich beim Wandern schnell wieder erwärmen kann. Tipps dazu findet ihr auch hier. Wer das ganze als Kombi mit einer Wanderung oder lieber an Land bleiben möchte, der kann auch nach dem Schatz der Burger Lutken suchen. Das Entdeckerspiel, welches wir in Zeiten des ersten Pandemiewinters entwickelt haben, ist was für jung und alt. Auf einer 10 km langen Route durch Burg/Spreewald gibt es einige Rätsel zu lösen, um am Ende den Schatz zu heben. Weitere Entdeckerspiele werden folgen, wie die Radtour „Auf den Spuren des Schlangenkönigs“ und das Paddel-Caching Spiel „Wassermanns Reich“. *ab Ostern erhältlich

 indoor Laserschiessen
Foto @Musikhaus Korn

Spreewald im Winter *indoor

Wem es draußen zu kalt ist, aber trotzdem aktiv sein möchte, dem wird im Spreewald auch was geboten. So kann man z.B. mal das Laserschiessen für sich entdecken oder sogar mit Pfeil und Bogen indoor aktiv sein. Auf dem Areal der Jugendherberge in Burg ist das täglich möglich. Falls dies nicht so Ihr Ding ist, können Sie aber auch einige tolle Spassbäder nutzen, wie die Spreewelten Lübbenau, wo man mit Pinguinen schwimmen und in Themensaunen entspannen kann. Weitere Tipps für Indoorerlebnisse und Erkundungen finden Sie hier:

Windmühle Straupitz Heimatstube Raddusch Unkrautladen

Spreewald im Winter – Mummelkahn & mehr

Egal wann man im Spreewald ist, eine Kahnfahrt darf nicht fehlen. In der kalten Jahreszeit fahren nicht mehr alle Fährmänner die Fliesse der Spree auf und ab. Die Fahrtzeiten werden auch auf maximal 1 bis 1,5 Stunden begrenzt. Mit Decken, heißem Glühwein und einem unterhaltsamen Fährmann, ist dies aber eine tolle Wintererfahrung. Ab 2 Personen kann man schon auf Tour gehen und den Winterzauber genießen. Anfragen gerne über den Whatsapp Button oder per Mail.

Foto @Mario Hauser

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Spreewaldbräuche

aufgeschrieben vom Radduscher Ortschronisten und Spreewaldinsider Manfred Kliche.

1. Hexenfeuer in der Walpurgisnacht

Einer dieser Spreewaldbräuche ist ähnlich dem des Osterfeuers. Die Walpurgisnacht ist ein traditionelles Fest am 30.April. Der Name leitet sich von der heiligen Walburga ab , einer heiligen Äbtissin aus dem Mittelalter. Der Brauch soll symbolisch die Verjagung der kalten Jahreszeit und alles Schlechten darstellen. In der Walpurgisnacht ( auch Hexenbrennen genannt)vom 30. April zum 1. Mai werden sogenannte Hexenfeuer gezündet. Auf einem Holzstoß wird eine Strohpuppe verbrannt , eben die Winterhexe. Mit dem Hexenfeuer will man die bösen Geister vertreiben. Gewöhnlich soll das Springen durch dem Hexenfeuer besonders Verliebten und Liebenden viel Glück bringen. Dem Hexenfeuer in der Walpurgisnacht folgt meist der Tanz in den Mai.

Spreewaldbräuche


Das Maibaumaufstellen

Am Abend vor dem 1.Mai ( also am 30.April ) stellen die Burschen des Dorfes den Maibaum auf. Der Baum musste früher heimlich dem Wald entnommen werden , sonst hat er keine Symbolkraft als Beschützer des Dorfes. Der Baumstamm darf keine Baumrinde haben , weil sich zwischen Baum und Borke böse Geister und Krankheiten verstecken könnten. Der Baum ist das Symbol des Lebens und der Fruchtbarkeit für Mensch, Tier und Flur. Am 30. April wird also ein möglichst großer Baum aufgestellt, an dessen Spitze eine junge Birke und ein mit Bändern und bunten Tüchern geschmückter Kranz befestigt wird. Um den Stamm wird von oben nach unten eine lange Girlande oder Bänder geschlungen. In Raddusch wird der Stamm mit bunten Bändern durch den “ Bändertanz “ den Mädchen und Jungen tanzen , umwickelt. Nach dem Aufstellen des Maibaumes erfolgt ein zünftiger Tanz in den Mai. Der Maibaum darf erst am 31. Mai wieder fallen. Wird er zwischen diesem Zeitraum abgesägt , durfte früher die Dorfjugend 7 Jahre keinen Maibaum aufstellen und auch keinen Maitanz durchführen. Damit der Maibaum nicht von Jugendlichen anderer Orte abgesägt werden konnte , wurde er von der Dorfjugend bewacht . Einer der beliebtesten Spreewaldbräuche.

Maibaum
Tanz in den Mai


3. Pfingsten

Pfingsten ist das Fest, das jedes Jahr 49 Tage nach dem Ostersonntag gefeiert wird. Es ist ein fröhliches Fest denn Christen feiern dann die Auferstehung Jesu. Auch weltliche Pfingstbräuche gibt es , mit denen die Menschen seit Jahrhunderten den Frühling begrüßen. Dabei spielt die erwachende Natur und die Bitte um eine gute Ernte eine große Rolle. So schmückte man früher die Kirchen und die Häuser mit Maien- oder Birkenzweigen.Noch bis Ende der fünfziger Jahre wurden in Raddusch an den Zäunen der Grundstücke Birkenzweige angebracht.In den Familien wurde Pfingsten oft neben dem Kirchenbesuch auch für Ausflüge in den Spreewald genutzt.Ganz, ganz früher soll man einen Ochsen mit Birkengrün , bunten Bändern und der Pfingstrose geschmückt haben und ihn durchs Dorf geführt haben. Daher stammt die Radewendung “ Pfingstochse “. Pfingsten wird endgültig vom Winter Abschied genommen .

Bis bald zum nächsten Blog Spreewaldinformationen und Spreewaldbräuche.

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Bräuche Spreewald

Aufgeschrieben vom Radduscher Ortschronist Manni Kliche (Spreewald Insider)

Bräuche Spreewald – Eierverzieren

Bräuche werden im Spreewald noch immer gehegt und gepflegt, auch natürlich zum Osterfest. Einige werden euch hier vorgestellt.

Aus alten Zeiten ist bekannt, dass frische Eier nicht gut die Farbe annehmen. Die Eier sollten daher mindestens 10 Tage alt sein. Man ist auch der Auffassung, dass sich Eier mit gelblicher Schale besser eignen als die mit einer weißen Schale.

Es gibt verschiedene Techniken zur Ostereierverzierung , eine davon ist die Wachstechnik .,

Vor dem “ Malen “ wird jedes Ei sauber gewaschen und darauf gut angewärmt , weil die Schale erst dann das Wachs richtig annimmt.

In einem alten Löffel wird infolge Erwärmung durch ein darunter stehendes Talklicht möglichst reines Bienenwachs ( direkt vom Imker ) dauernd flüssig gehalten. Bei sonst gekauften Bienenwachs ist fast immer Stearin zugesetzt , dadurch schmilzt das Wachs beim kochen zu schnell und die Zeichnung verliert ihre klare , hellgelbe Farbe.

Mittels Stecknadel mit Kuppe ,die mit ihrer Spitze auf ein Holzstöckchen gedrückt ist , wird das flüssige Wachs auf die Schale des Eies übertragen ,wo es bald erhärtet.

Die Nadel mit dem Stöckchen wird so gefasst , dass die vier Finger das Stöckchen umschließen und mit ihnen das Zeichnen der Eier erfolgt , während der Daumen in diesem Augenblick die zeichnenden anderen Finger auf dem Ei stützt. Mit der Stecknadelkuppe können aber nur Striche und Punkte gezeichnet werden. Nun kann man auch verschiedene Muster zeichnen , dazu benutzt man Hühnerfedern .

Man reißt die Feder zu beiden Seiten genau von unten bis auf etwa 1/ 5 ab und schneidet dann das Federkiel zu einer kleinem kleinen Dreieck . Dieses kleine Federstück wird in das Wachs getaucht und dann auf die Eierschale gedrückt. Auch auf diese Weise können verschiedene Muster auf die Eierschale aufgebracht werden.

Während die Eier gezeichnet werden lässt man die Zwiebelschalen — je mehr Schalen — , um so schöner wird der Farbton — kochen.

In der kalt gewordenen Zwiebellauge müssen die mit Wachs gezeichneten Eier liegen.

Danach werden die Eier in der Lauge solange gekocht , bis sie gut sind , d.h. , das Wachs sich gelöst hat und die Zeichnung eine schöne , gelbe Farbe zeigt. Danach werden sie , solange sie noch warm sind , mit einer Speckschwarte abgerieben. Und fertig sind die Ostereier !

Ostereier Bräuche Spreewald
Kunst des Eierverzierens

Das Ostersingen

Früher war es in Raddusch uns in anderen Orten üblich , dass in der Nacht von Sonnabend zu Ostersonntag das “ Ostersingen” statt fand.

Meist traf man sich in der Nähe der letzten Spinnstube . In der Spinnstube hatten die Mädchen ja die Passionslieder eingeübt. Dann ging es singend auf einer vorher abgesprochenen Route durchs Dorf. Als Dank erhielten sie von den Bewohnern Kuchen , Getränke und manchmal auch etwas Geld. Das “ Sangeskleingeld “ wurde dann spät in der Nacht im Wirtshaus verzecht.

In Raddusch wird dieser Brauch seit 1958 nicht mehr gepflegt , nur in Burg erfolgt das Ostersingen noch.

Bräuche Spreewald Ostersingen
Ostersingen Raddusch

Bräuche Spreewald – Osterwasser holen

Dieser Brauch wird in der Nacht ( bis zum Sonnenaufgang) zum Ostersonntag von den Mädchen durchgeführt.

Die Mädchen schöpfen mit einem Krug ( früher Tonkrüge ) Wasser aus einem fließenden Gewässer. In Raddusch waren dies zwei Quellen in der Nähe des Schwarzen Berges. Der Brauch knüpft an den Glauben des Reinheit und Gesundheit fördernden Wassers .

Die Mädchen durften während des Wasserholens also auf dem Rückweg kein Wort reden, sonst wäre die Wirksamkeit des Wassers verloren und sie hätten dann nur noch “ Plapperwasser “ .

Natürlich nutzten die Burschen diese Zeit um die Mädchen zu erschrecken. Mit dem geholten Osterwasser sollte man sich waschen , es sollte Schönheit und Frische sowie Gesundheit für neue Jahr bringen und Krankheiten vorbeugen.

In manchen Fällen hat man damit auch das Vieh besprengt , weil man glaubte , das dass Osterwasser Krankheiten vom Vieh fernhält.

Bräuche Spreewald Osterwasser holen
Mädels beim Wasser holen

Bräuche Spreewald – Das Osterfeuer

Mit dem Osterfeuer verbindet man die Kraft der Sonne und des nahenden Sommers. Man verbindet mit dem Feuer den Glauben an die reinigende Kraft des Feuers , es soll das Alte , Überlebte , beseitigt werden.

Zum Osterfeuer werden vor allem Reisig, und andere Holzabfälle gesammelt und zu einem bestimmten Platz gebracht und zu einem großen Klafter aufgeschüttet, bevor es um Mitternacht zu Ostersonntag entzündet wird.

In letzter Zeit werden die Osterfeuerstellen von den Jungen bewacht , da es von Jugendlichen anderer Orte versucht wird vorzeitig zu entzünden. Sollte dies passiert sein , ist der Spott groß !

Nicht selten wird dieser Brauch von Lärm und Ausgelassenheit , begleitet. Gerechtfertigt wird der Lärm und die Ausgelassenheit damit , dass dadurch die Dämonen verjagt werden sollen .

Früher wurde dann auch noch Schabernack betrieben . So wurden Türen und Tore ausgehangen und zum Dorfanger getragen. Die Besitzer mussten diese dann am Ostersonntag wieder nach Hause holen.

Der Brauch des Osterfeuerbrennens wird heute in fast jedem Ort unserer Region gepflegt.

Spaß für alle – Walleien

Ein Osterbrauch , der heute nur noch vereinzelt , meist zu großen Festen zu Ostern durchgeführt wird.

Auch das Walleien ist ein Fruchtbarkeitsbrauch. Die Ostereier werden von einem kleinen Berg in eine schräglaufende Grube gerollt , mit dem Wunsch , dass die Frucht gedeiht und viele große Früchte bringe.

Heute ist das Walleien ein beliebtes Kinderspiel zu Ostern. Denn das Ei , welches beim herunterrollen ein anderes in der Grube befindliches Ei trifft, gehört dem , der das Ei geschoben hat. Danke Manni!!!

Unsere Ostertipps: Entdeckertour Burg/Spreewald /Laserschiessen

Geschichte, Infos, Spreewald, Traditionen

Osterfest im Spreewald

Eier, Eier nochmal Eier

Eine Zeitreise geschrieben und erzählt vom Radduscher Ortschronist Manfred Kliche.

Osterfest Spreewald – Wendisch Jatsy

Das Osterfest (Spreewald) ist eines der ältesten christlichen Jahresfeste.Auch für die evangelischen Wenden in Raddusch war es das Frühlingsfest , der Übergang vonm Winter zur warmen Jahreszeit. Am Grünen Donnerstag , so sagte es der Volksglaube,sollte der Bauer die Ausaat beginnen . Dies erfolgte frührer mit einer Besonderheit : Der Bauer erhielt von seiner Frau gekochte Eier mit, die er auf dem Acker verzehren musste . Die Eierschalen vergrub er dabei mit der Saat , sie sollten für Fruchtbarkeit sorgen. Am Karfreitag durfte nicht gearbeitet werden. Er wurde als großer Feiertag begangen.Die gesamte Familie besuchte die Kirche. Es war eigentlich auch der Tag , an dem die Ostereier bemalt wurden, die am Ostersonntag die Patenkinder und die eigenen Kinder erhielten.Das Ei galt als Symbol für Wachstum und Fruchtbarkeit also der Vegetations- und Lebenskraft.Die reichen Bauern schenkten die Eier auch den Knechten und Mägden , dem Pfarrer und dem Dorfschullehrer.

Osterfest Spreewald – Von Paten & Geschenken

An den Ostertagen besuchten besuchen die Kinder ihre Paten. Jeder Pate ist verpflichtet , alljährlich seinen Patenkindern Geschenke zu machen.Nach altem Brauch sind jeweils drei Ostereier und je nach Vermögen noch Geld –oder Sachgeschenke zu machen.Das letzte Mal bedankt sich das Patenkind mit einem Sprüchlein. Im folgenden Jahr ist dann der Pate verpflichtet noch einmal ein Geschenk zu machen , diesmal aber muss er mit seinem Geschenk zum Patenkind kommen.Dann wird von den Eltern des Patenkindes eine Kaffeetafel gerichtet ,manchmal wird auch Wein und Schnaps getrunken.

Osterfest Spreewald – Das Eierverzieren

Aus alten Zeiten ist bekannt, dass frische Eier nicht gut die Farbe annehmen. Die Eier sollen mindestens 10 Tage alt sein .Man ist auch der Auffassung, dass sich die Eier mit gelblicher Schale besser eignen als die mit einer weißen Schale. Vor dem „Malen „ wird jedes Ei sauber gewaschen und darauf gut angewärmt , weil die Schale erst dann das Wachs richtig annimmt. In einem alten Löffel wird infolge Erwärmung durch ein darunterstehendes Talglicht möglichst reines Bienenwachs ( direkt vom Imker ) dauernd flüssig gehalten . Bei sonst gekauften Bienenwachs ist fast stets Stearin zugesetzt , dadurch schmilzt das Wachs beim Koch en zu schnell und die Zeichnung verliert ihre klare, hellgelbe Farbe. Mittels einer Stecknadel , die mit ihrer Spitze auf ein Holzstöckchen gedrückt bist , wird das flüssige Wachs auf die Schale des Eies übertragen , wo es bald erhärtet.

Gewöhnliche Stecknadeln eignen sich hierzu gar nicht, es müssen Stecknadeln sein , die eine recht große ,starke Kuppe haben.Die Nadel mit dem Stock wird so gefasst ,dass die vier Finger das Stöckchen umschließen und mit ihnen das Zeichnen der Eier erfolgt, während der Daumen in diesem Augenblick die zeichnenden anderen Finger auf dem Ei stützt.Mit der Stecknadelkuppe können aber nur Striche und Punkte gezeichnet werden .Nun kann man auch ein kleines , dreieckiges , flächiges Muster zeichnen ; dazu benutzt man eine Hühnerfeder , und zwar folgendermaßen:Man reißt die Feder zu beiden Seiten genau von unten bis auf etwa 1/5 ab und schneidet dann von der Spitze aus noch soviel ab , dass der Federkiel jetzt oben nur ein kleines Dreieck trägt. Dieses kleine Federstück wird in das Wachs getaucht und dann auf die Eierschale gedrückt. Auch auf diese Weise können die verschiedensten Muster auf die Eierschale aufgebracht werden.

Während die Eier gezeichnet werden , lässt man die Zwiebelschalen —- je mehr Schalen , um so schöner wird der Farbton — kochen. Früher nahm man dazu lieber klares , fließendes Wasser aus dem Fließ oder Graben ; es soll besser als Leitungswasser sein.In der kalt gewordenen Zwiebellauge müssen die mit Wachs gezeichneten Eier über Nacht liegen und erst am Morgen werden sie darin solange gekocht , bis sie gut sind , d. h. , das Wachs sich gelöst hat und die Zeichnung eine schöne , gelbe Farbe zeigt . Dann werden sie noch, solange sie warm sind , mit einer Speckschwarte abgerieben.Die verschiedenen Zeichnungen ( Sterne, Ranken usw.) haben keine eigene Bedeutung bzw. Bezeichnung. Jeder „malt“ die Eier nach seinem Geschmack.Sie sind um so schöner , je regelmäßiger die Zeichnungen ausfallen und je genauer der Zwischenraum dabei ist.Die Hersteller waren dann richtig froh und glücklich , wenn sie merkten ,dass ihre mit viel Liebe und Mühe selbst gemalten Ostereier den Beschenkten , vor allem den Kindern , viel Freude bereiteten .

(Aufgeschrieben von Manfred Kliche aus Raddusch nach der Beschreibung von Johanna Homfeldt , geb. Beesk im Jahr 2000 )

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Spreewald Trachten


Die Radduscher Tracht

Eine Zeitreise geschrieben und erzählt vom Radduscher Ortschronist Manfred Kliche.

Geschichte der Trachten

Seit Jahrhunderten werden im Spreewald von den wendischen Frauen farbenfrohe Spreewald Trachten getragen. Jedes Kirchspiel im Spreewald hatte seine eigene Tracht, die oft von den Trägerinnen selbst oder von Trachtenschneidern und -schneiderinnen angefertigt wurde.

Auch die Männer hatten zu früheren Zeiten, so noch um 1850, eine eigene Tracht. Zu dieser Männertracht gehörte ein leinenes Hemd und weiße Leinenhosen, die durch bunte, handbestickte Hosenträger festgehalten wurden. Um den Hals trug man ein farbiges oder schwarzes Tuch, das vorn zu einer Schleife gebunden war, deren Enden unbedingt abstehen mussten. Den Oberkörper umschloss eine mehrfarbige oder auch eine schwarze Weste, deren Vorderteil oftmals in reiner Seide ausgeführt sein konnte. Ein Leinenmantel in weißer oder auch blauer Farbe diente als Schutz bei kühler Witterung. Im Winter wurde noch zusätzlich ein rotes Tuch eingenäht, um die Wärmespeicherung des Kleidungsstücks zu erhöhen. Den Kopf bedeckte eine Zipfelmütze aus Samt, deren Rand mit einem breiten Lammfellstreifen versehen war. Die Füße steckten in derben Lederstiefeln oder Holzpantoffeln. So bot auch die Männertracht ein durchaus farbenprächtiges Bild.

2 Damen in Trachten

Spreewald Trachten -Geschlechtervielfalt

Nach 1850 vollzog sich ein großer Wandel. Die Männer trugen jetzt meist schwarze Hosen und schwarze Westen beziehungsweise auch den schwarzen Gehrock, auf dem Kopf schwarze Hüte oder den Zylinder.Bei den wendischen Frauentrachten gab es eine andere Entwicklung. Die Frau war in früheren Zeiten sehr stark an Haus und Hof gebunden und meist in der bäuerlichen Wirtschaft tätig. In Raddusch wie auch in den anderen Spreewalddörfern gab es drei Trachtenarten: Die Sonntags- beziehungsweise Festtagstracht, die Kirchgangstracht und die Alltags- oder Arbeitstracht. Anhand der Tracht konnte man das Kirchspiel oder das Dorf erkennen, aus dem die Trägerin kam. Auch konnte man vor allem an der Festtagstracht erkennen, über welche finanziellen Mittel die Trägerin verfügte.

Dame mit alter Tracht

Spreewald Trachten – Raddusch

In Raddusch waren bis zum Ersten Weltkrieg sehr wohlhabende Bauern ansässig, und deshalb beanspruchten die Frauen in ihrer Tracht etwas Besonderes. Man wollte sich so von den etwas ärmeren Nachbarn unterscheiden und durch möglichst viel Luxus in der Tracht auf sich aufmerksam machen. Zeitweilig wurden sogar zwei Schürzen über den Rock gebunden. Die Stoffe, Seide, Bänder und Spitzen bezogen die Bauern für ihre Frauen von der Firma Herzog, einem königlich-kaiserlichen Hoflieferanten in Berlin.

Spreewald Trachten – Der besondere Gürtel

Die Taille umschloss ein kunstvoller Gürtel. Dieser Gürtel mit Schnalle wurde nur von Radduscher Frauen getragen. Er bestand aus starkem Linnen mit eingearbeitetem Verschluss. Er wurde meist in Berlin gekauft und „nachbearbeitet“. Je reicher die Trägerin, desto mehr Perlen und kunstvolle Stickereien kamen darauf. In den 1930er Jahren kamen diese Gürtel aus der Mode. Es wurden dann auch in Raddusch Schleifenbänder getragen, die aber in sehr dezenten Pastellfarben gehalten wurden. Hinten auf dem Rock wurde eine schöne lange Schärpe befestigt. Das geblümte Seidenband als Saum zeigte in Raddusch bei der Festtagstracht die ansehnliche Breite von 20 Zentimetern. Die Röcke selbst waren aus Plüsch, Samt, blumigem Atlas, schwarzer, schwerer, glatter Seide und feinem Tuch hergestellt. Unterhalb des breiten Saumes wiesen die Röcke als Abschluss noch einen ein Zentimeter breiten Saum aus gelber oder weißer Spitze auf.

Die Radduscher Haube gehörte neben denen aus Werben und Burg zu den größten Hauben im Spreewald. Sie bestand aus drei Teilen, war bunt gewirkt, bedruckt oder mit schönen Mustern aufwendig bestickt. Steifes Papier oder Gaze, durch viele Stecknadeln zusammengehalten, gaben ihr die gewünschte Form.

Zur Tracht gab es keinen Mantel oder Überwurf. In der kalten Jahreszeit trugen die Frauen eine „Polka“. Das war eine gefütterte taillierte schwarze Jacke mit Schoß.

Spreewald Trachten und Kirche

Die Kirchgangstracht wurde früher besonders zu Gottesdiensten, Beerdigungen oder zu besonderen Anlässen wie in der Passions- und Adventszeit, zu Neujahr, zu Karfreitag, zu Ostern, zu Himmelfahrt, zum Buß- und Bettag, zu Totensonntag, zu Taufen und zu Hochzeiten getragen.

Unterschiede gab es bei älteren Frauen, sie trugen meist grüne oder braune Röcke, auf denen das darauf befindliche Seidenband mit schwarzer Spitze eingefasst war. Die Schürzen wurden in gedämpften Farben gehalten und meist mit schwarzen Spitzen umsäumt. Zur Kirchgangstracht wurde ebenfalls eine schwarze Polka getragen.

Festliche Trachten 2 Damen

Spreewald Trachten im Alltag

Die Alltags- oder Arbeitstracht war schlicht, einfach und praktisch für die Arbeit auf dem Feld und für die Hof- und Hausarbeit ausgerichtet. Meist war die Tracht in dunklen Farben oder im Blaudruck gehalten. Bis 1900 trug man besonders bei der Wiesenarbeit noch ein weißes Kittelchen, ein Schultertuch und eine Leinwandschürze, die oft bedruckt waren. Bei sehr heißem Wetter trugen die Frauen ein Sonnenschutztuch, dass mit einem Samtband festgesteckt war.

Spreewald Trachten – Feste & Hochzeiten

Besonders festlich war die Kleidung der Braut und der Brautjungfern. Den Kopf bedeckte eine weiße Mütze, auf der bei der Braut eine Art Myrtenkranz aufgesteckt war. Die Brautjungfern hatten zahlreiche Blüten- und Grasverzierungen als Schmuck auf ihrer Mütze. Der Kopfputz wurde in beiden Fällen durch einen sehr großen, am Hals gekräuselten „Mühlsteinkragen“ abgeschlossen.

Wie begehrt die Radduscher Tracht war, zeigt folgendes Beispiel: In Raddusch gab es früher viele Schneider, sie waren auch perfekte Trachtenschneider. Einer der bekanntesten war Wilhelm Klauk. Er war ein gefragter Mann in seinem Fach. In den Jahren nach 1848 wanderten viele Wenden nach Amerika aus. Viele gingen nach Texas. Dort bildete sich bald eine wendische Kolonie. Die wendischen Familien wollten hier auch ihre wendischen Traditionen fortführen. Deshalb bestellten sie bei Wilhelm Klauk wendische Trachten, die er dann nach Amerika lieferte.

Susann Beesk Gurkenkönigin

Alte Traditionen verschwinden

Durch die Industrialisierung und die Einflussnahme der modernen Mode sowie durch die immer mehr fortschreitende Eindeutschung begann das Tragen der Trachten nach 1870 allmählich zu schwinden. Nach dem Ersten Weltkrieg war das Tragen der Tracht als alltägliche Bekleidung bei den Mädchen und Frauen, auch bei den Schulkindern noch allgemein üblich, danach wurde es immer weniger.

Bis Anfang der 1970er Jahre gab es in Raddusch nur noch einige ältere Frauen, die täglich ihre Tracht trugen. Seither wird die Tracht heute nur noch zu besonderen Festen getragen, wie zum Beispiel zur Fastnacht, zum Hafenfest oder zum Scheunenfest.

Der 2001 gegründete Radduscher Heimat- und Trachtenverein hat sich der Pflege des wendischen Brauchtums und der Erhaltung seiner Trachten verschrieben. Seit 2011 führt der Heimat- und Trachtenverein wieder Trachtenumzüge durch, an denen sich jährlich bis zu 40 Paare beteiligen.

Die Frauen streben an, wieder die originale Radduscher Tracht aus dem 19. Jahrhundert mit der Besonderheit, dem Leibgürtel, zu zeigen. Wer die farbenprächtigen Radduscher Trachten bewundern möchte, ist gern zu den traditionellen Festen im Ort eingeladen.

Buschmühle Raddusch

Radduscher Führung

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