Schlagwort: Ostereier

Osterfest im Spreewald

Eier, Eier nochmal Eier

Eine Zeitreise geschrieben und erzählt vom Radduscher Ortschronist Manfred Kliche.

Osterfest Spreewald – Wendisch Jatsy

Das Osterfest (Spreewald) ist eines der ältesten christlichen Jahresfeste.Auch für die evangelischen Wenden in Raddusch war es das Frühlingsfest , der Übergang vonm Winter zur warmen Jahreszeit. Am Grünen Donnerstag , so sagte es der Volksglaube,sollte der Bauer die Ausaat beginnen . Dies erfolgte frührer mit einer Besonderheit : Der Bauer erhielt von seiner Frau gekochte Eier mit, die er auf dem Acker verzehren musste . Die Eierschalen vergrub er dabei mit der Saat , sie sollten für Fruchtbarkeit sorgen. Am Karfreitag durfte nicht gearbeitet werden. Er wurde als großer Feiertag begangen.Die gesamte Familie besuchte die Kirche. Es war eigentlich auch der Tag , an dem die Ostereier bemalt wurden, die am Ostersonntag die Patenkinder und die eigenen Kinder erhielten.Das Ei galt als Symbol für Wachstum und Fruchtbarkeit also der Vegetations- und Lebenskraft.Die reichen Bauern schenkten die Eier auch den Knechten und Mägden , dem Pfarrer und dem Dorfschullehrer.

Osterfest Spreewald – Von Paten & Geschenken

An den Ostertagen besuchten besuchen die Kinder ihre Paten. Jeder Pate ist verpflichtet , alljährlich seinen Patenkindern Geschenke zu machen.Nach altem Brauch sind jeweils drei Ostereier und je nach Vermögen noch Geld –oder Sachgeschenke zu machen.Das letzte Mal bedankt sich das Patenkind mit einem Sprüchlein. Im folgenden Jahr ist dann der Pate verpflichtet noch einmal ein Geschenk zu machen , diesmal aber muss er mit seinem Geschenk zum Patenkind kommen.Dann wird von den Eltern des Patenkindes eine Kaffeetafel gerichtet ,manchmal wird auch Wein und Schnaps getrunken.

Osterfest Spreewald – Das Eierverzieren

Aus alten Zeiten ist bekannt, dass frische Eier nicht gut die Farbe annehmen. Die Eier sollen mindestens 10 Tage alt sein .Man ist auch der Auffassung, dass sich die Eier mit gelblicher Schale besser eignen als die mit einer weißen Schale. Vor dem „Malen „ wird jedes Ei sauber gewaschen und darauf gut angewärmt , weil die Schale erst dann das Wachs richtig annimmt. In einem alten Löffel wird infolge Erwärmung durch ein darunterstehendes Talglicht möglichst reines Bienenwachs ( direkt vom Imker ) dauernd flüssig gehalten . Bei sonst gekauften Bienenwachs ist fast stets Stearin zugesetzt , dadurch schmilzt das Wachs beim Koch en zu schnell und die Zeichnung verliert ihre klare, hellgelbe Farbe. Mittels einer Stecknadel , die mit ihrer Spitze auf ein Holzstöckchen gedrückt bist , wird das flüssige Wachs auf die Schale des Eies übertragen , wo es bald erhärtet.

Gewöhnliche Stecknadeln eignen sich hierzu gar nicht, es müssen Stecknadeln sein , die eine recht große ,starke Kuppe haben.Die Nadel mit dem Stock wird so gefasst ,dass die vier Finger das Stöckchen umschließen und mit ihnen das Zeichnen der Eier erfolgt, während der Daumen in diesem Augenblick die zeichnenden anderen Finger auf dem Ei stützt.Mit der Stecknadelkuppe können aber nur Striche und Punkte gezeichnet werden .Nun kann man auch ein kleines , dreieckiges , flächiges Muster zeichnen ; dazu benutzt man eine Hühnerfeder , und zwar folgendermaßen:Man reißt die Feder zu beiden Seiten genau von unten bis auf etwa 1/5 ab und schneidet dann von der Spitze aus noch soviel ab , dass der Federkiel jetzt oben nur ein kleines Dreieck trägt. Dieses kleine Federstück wird in das Wachs getaucht und dann auf die Eierschale gedrückt. Auch auf diese Weise können die verschiedensten Muster auf die Eierschale aufgebracht werden.

Während die Eier gezeichnet werden , lässt man die Zwiebelschalen —- je mehr Schalen , um so schöner wird der Farbton — kochen. Früher nahm man dazu lieber klares , fließendes Wasser aus dem Fließ oder Graben ; es soll besser als Leitungswasser sein.In der kalt gewordenen Zwiebellauge müssen die mit Wachs gezeichneten Eier über Nacht liegen und erst am Morgen werden sie darin solange gekocht , bis sie gut sind , d. h. , das Wachs sich gelöst hat und die Zeichnung eine schöne , gelbe Farbe zeigt . Dann werden sie noch, solange sie warm sind , mit einer Speckschwarte abgerieben.Die verschiedenen Zeichnungen ( Sterne, Ranken usw.) haben keine eigene Bedeutung bzw. Bezeichnung. Jeder „malt“ die Eier nach seinem Geschmack.Sie sind um so schöner , je regelmäßiger die Zeichnungen ausfallen und je genauer der Zwischenraum dabei ist.Die Hersteller waren dann richtig froh und glücklich , wenn sie merkten ,dass ihre mit viel Liebe und Mühe selbst gemalten Ostereier den Beschenkten , vor allem den Kindern , viel Freude bereiteten .

(Aufgeschrieben von Manfred Kliche aus Raddusch nach der Beschreibung von Johanna Homfeldt , geb. Beesk im Jahr 2000 )

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